Living the nightmare - den Alptraum leben - Kontakt: opendialog@posteo.de twitter.com/GuteLaune19
Samstag, 24. März 2012
Freitag, 23. März 2012
Merkwürdiger Support für Wikipedia
Im Blog hatte ich immer mal wieder Teile aus der Microsoft Encarta Enzyklopädie 2000 zitiert, obwohl zu Beginn meines Bloggens auch Wikipedia entstanden ist. Die Encarta-Ausgabe 2000 erschien mir überraschend linksliberal, die Texte waren sachlich und inhaltlich korrekt. Wahrscheinlich würde ich auch heute noch daraus zitieren, aber das mitlerweile über 10 Jahre alte Microsoftprogramm läuft nicht mehr auf dem aktuellen Microsoft Betriebsystem, was wirklich ein Grund für MS-Bashing ist. Wenn ich mich nicht täusche, hat MS vor einigen Jahren die Produktion seiner Enzyklopädie eingestellt, wegen Wikipedia. Weil ich über keinen eigenen, ständigen Internetzugang verfüge, hatte ich mir probeweise eine Ausgabe der Encarta-Enzyklopädie von 2005 installiert - und wurde unangenehm überrascht. Etliche Artikel sind in einem - wie ich finde - geradezu provozierend subjektiv-emotionalen, salopp-nachlässigen, ja scheissegal-schlampigen Stil verfasst und die Enzyklopädie steckt voll sachlicher Fehler. Das fällt schon richtig unangenehm auf, darum der Verdacht aufkommt, man greift das Konkurrenzprodukt zu Wikipedia auch von innen her an, manipuliert es so, dass immer mehr seriöse Nutzer abgeschreckt werden.
Wenn man davon ausgeht - und davon kann und muss man ausgehen - dass die Märkte und ihre Produkte von hinter den Kulissen zentral gelenkt sind, dann wurde offenbar beschlossen, dass die ganze öffentliche Welt ihr Wissen allein von Wikipedia bezieht. Das ist natürlich sehr gefährlich.
Wenn man davon ausgeht - und davon kann und muss man ausgehen - dass die Märkte und ihre Produkte von hinter den Kulissen zentral gelenkt sind, dann wurde offenbar beschlossen, dass die ganze öffentliche Welt ihr Wissen allein von Wikipedia bezieht. Das ist natürlich sehr gefährlich.
Dienstag, 20. März 2012
Sich mit keiner guten Sache gemein machen
Die Journaille redet sich ja gerne frei von Verantwortung mit der Behauptung, ein guter Journalist sei einer, der sich mit keiner Sache gemein mache, auch nicht mit einer guten. Eigenartigerweise veranstaltet das deutsche Staatsfernsehen (ARD & ZDF) aber gerne mal üppige Spendengalas für arme, mittellose Krebsärzte und ihre Forschung (mit Hummersuppe gegen Krebs), sowie mediale Aktionen zur Erhöhung der Bereitschaft der Bevölkerung zur Organspende. Alles Aktionen, die reichlich Geld nicht zuletzt in die Taschen von Ärzten fliessen lässt. Jedoch Aktionen auch der Medien zum Problem eines in diesem Lande fehlenden seriösen, unabhängigen, medizinischen Gutachterwesens, sucht man vergebens. Das Fernsehen berichtet gelegentlich darüber, aber gemeinsame Aktionen der Journaille mit der Bevölkerung gibt es nicht. Ebenso wenig zur katastrophalen Hygienesituation in deutschen Krankenhäusern, mit den dort grassierenden multiresistenten Krankenhausinfektionen: die Medien berichten darüber und man diskutiert, aber letztlich demonstriert man Fatalismus und streut Falsch- und Null-Information.
Freitag, 16. März 2012
Schweizer Bankiers mitschuldig am Untergang der Weimarer Republik
„Die Schweizer Bankiers trugen aktiv zum Untergang der deutschen Demokratie bei. Sie griffen die Weimarer Republik schon 1919 an, kurz nach ihrer Gründung.
Die Mitverantwortung des Finanzplatzes Schweiz für das Schicksal der Weimarer Republik wiegt schwerer, als das Land es wahrhaben will.
Das schreiben die beiden Schweizer Journalisten Viktor Parma und Werner Vontobel in ihrem aktuellen Buch „Schurkenstaat Schweiz? Steuerflucht: Wie sich der grösste Bankenstaat der Welt selbst korrumpiert und andere Länder destabilisiert“
Sie führen aus, dass die Weimarer Republik finanziell ausgezehrt wurde durch zwei
grosse Kapitalabflüsse: die Reparationszahlungen an die Alliierten des ersten Weltkriegs, als Wiedergutmachung für die durch Deutschland verursachten Kriegsschäden, und durch die enorme Kapitalflucht in das Steuerparadies Schweiz, das in dieser Zeit extra dafür sein legendäres Bankgeheimnis eingeführt hatte.
Das alles entlastet aber nicht die wahren Verantwortlichen auf deutscher Seite, die reichen Steuerflüchtlinge, die Schuld jedes Einzelnen am Faschismus, am Holokaust und am zweiten Weltkrieg. Denn Nazi-Deutschland hat nicht seine steuerflüchtigen reichen Industriellen und nicht die Schweiz bestraft, sondern im Gegenteil ganz Europa überfallen, ausser die Schweiz, und Millionen Unschuldige getötet, aber die reichen Deutschen weitgehend unangetastet gelassen.
Was konnten Kommunisten, Zeugen Jehovas, Schwule, Zigeuner, Kranke und Juden für die Steuerflucht der deutschen Geld-Elite? Nichts! Im Gegenteil!
Die Mitverantwortung des Finanzplatzes Schweiz für das Schicksal der Weimarer Republik wiegt schwerer, als das Land es wahrhaben will.
Das schreiben die beiden Schweizer Journalisten Viktor Parma und Werner Vontobel in ihrem aktuellen Buch „Schurkenstaat Schweiz? Steuerflucht: Wie sich der grösste Bankenstaat der Welt selbst korrumpiert und andere Länder destabilisiert“
Sie führen aus, dass die Weimarer Republik finanziell ausgezehrt wurde durch zwei
grosse Kapitalabflüsse: die Reparationszahlungen an die Alliierten des ersten Weltkriegs, als Wiedergutmachung für die durch Deutschland verursachten Kriegsschäden, und durch die enorme Kapitalflucht in das Steuerparadies Schweiz, das in dieser Zeit extra dafür sein legendäres Bankgeheimnis eingeführt hatte.
Das alles entlastet aber nicht die wahren Verantwortlichen auf deutscher Seite, die reichen Steuerflüchtlinge, die Schuld jedes Einzelnen am Faschismus, am Holokaust und am zweiten Weltkrieg. Denn Nazi-Deutschland hat nicht seine steuerflüchtigen reichen Industriellen und nicht die Schweiz bestraft, sondern im Gegenteil ganz Europa überfallen, ausser die Schweiz, und Millionen Unschuldige getötet, aber die reichen Deutschen weitgehend unangetastet gelassen.
Was konnten Kommunisten, Zeugen Jehovas, Schwule, Zigeuner, Kranke und Juden für die Steuerflucht der deutschen Geld-Elite? Nichts! Im Gegenteil!
Montag, 12. März 2012
Hey, Rudi Assauer: vergessen Sie Ihr Alzheimer!
Wenn Sie mit Ihrem Alzheimer-Buch genug Geld verdient und mit Ihrer Demenz genug kokettiert haben; wenn Sie kurz davor sind Ihre Website zu schliessen und ins Pflegeheim zu ziehen, dann spätestens ist es Zeit, folgendes Sachbuch zu lesen oder sich vorlesen zu lassen, das Rauchen für immer aufzugeben und mit gesunder Ernährung anzufangen, sowie sich jeden Tag eine Vitamin-B-Komplex-Tablette reinzupfeiffen. Und wenn Sie dann einige Monate später wieder fit sind und sich an jedes Detail Ihres Lebens wieder erinnern (vielleicht gibt‘s ja auch eine erfreuliche Wiederbegegnung mit Simone Thomalla) schreiben Sie Ihr nächstes Buch (wenn Sie dann zwischen Trainer-Job und Ehepflichten noch genug Zeit finden): Gesund und fit, ganz ohne Arzt, nur mit Natur und Biologie.
Donnerstag, 8. März 2012
Sie machen den Adolf bis es Kracht
Jetzt zerreisst sich das Feuilleton wieder das Maul über das aktuelle Buch von Christian Kracht: Was soll es bedeuten, wie tickt der Autor.
Kein Augenmerk richtet hingegen niemand auf die brisante Frage: Woher haben Kracht und andere Autoren im Elfenbeinturm all die scheinbar aus dem Leben gegegriffenen Informationen - denn auch Phantasie braucht Nährstoffe aus der Wirklichkeit um zu blühen!
Autoren sind Schreiberlinge! Die lesen viel und die sitzen viel vor dem Computer und texten. Entweder man lebt oder man schreibt. Wer kein Leben mehr hat, der bloggt ehrlich; oder er klaut sich fremdes Leben mittels geheimdienstlicher Überwachung und schreibt für Geld Bücher oder bloggt für Geld im Auftrag der Geheimdienste.
Wissenschaftliche Erkenntnisse, die von deutschen Forschern während der Nazizeit mittels Experimenten an KZ-Häftlingen erlangt wurden, gelten als verwerflich, ebenso wie diese Forscher. Das sollte auch für "Künstler" gelten.
Würde man alle Artikel und Bücher vom Markt nehmen, die von Schriftstellern und Journalisten unter Verwendung von geheimdienstlich abgeschöpften Privatinformationen fremder Menschen geschrieben sind, wäre der Text- und Literaturmarkt Deutschlands und der westlichen Welt vermutlich weitgehend leer!
Die Literatur-, Text und Kunstwelt ist eine unzivilisierte, pseudo-feingeistige Pranke des polizeilich-geheimdienstlichen Raubtieres namens Faschismus.
Kein Augenmerk richtet hingegen niemand auf die brisante Frage: Woher haben Kracht und andere Autoren im Elfenbeinturm all die scheinbar aus dem Leben gegegriffenen Informationen - denn auch Phantasie braucht Nährstoffe aus der Wirklichkeit um zu blühen!
Autoren sind Schreiberlinge! Die lesen viel und die sitzen viel vor dem Computer und texten. Entweder man lebt oder man schreibt. Wer kein Leben mehr hat, der bloggt ehrlich; oder er klaut sich fremdes Leben mittels geheimdienstlicher Überwachung und schreibt für Geld Bücher oder bloggt für Geld im Auftrag der Geheimdienste.
Wissenschaftliche Erkenntnisse, die von deutschen Forschern während der Nazizeit mittels Experimenten an KZ-Häftlingen erlangt wurden, gelten als verwerflich, ebenso wie diese Forscher. Das sollte auch für "Künstler" gelten.
Würde man alle Artikel und Bücher vom Markt nehmen, die von Schriftstellern und Journalisten unter Verwendung von geheimdienstlich abgeschöpften Privatinformationen fremder Menschen geschrieben sind, wäre der Text- und Literaturmarkt Deutschlands und der westlichen Welt vermutlich weitgehend leer!
Die Literatur-, Text und Kunstwelt ist eine unzivilisierte, pseudo-feingeistige Pranke des polizeilich-geheimdienstlichen Raubtieres namens Faschismus.
Montag, 27. Februar 2012
Das Fernsehen der Oberschicht
Das sog. Unterschichts-Fernsehen ist bekannt: das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen (Staatsfunk / ARD & ZDF) mitsamt den sog. kommerziellen Fernsehsendern. Darüber wird hin und wieder gesprochen. Aber was gucken die Eliten - was ist das Fernsehen der Oberschicht?
Augenscheinlich gibt es überall ein grundsätzliches Interesse an authentischen Einblicken in das Leben anderer Menschen. Die Unterschichten bekommen das in gefilterter und aufbereiteter Form als Realität aus zweiter Hand serviert: Big Brother, Super-Nanny, Die strengsten Eltern der Welt, und wie die Reality-Soaps alle heissen. Gemeinsam ist ihnen, dass es das Leben von Amateuren zeigt, die aber wissen, dass sie gefilmt werden. Also man guckt lieber Amateuren als Profis beim Leben zu.
Angeblich gibt es auch einen immer grösseren Markt für Pornos mit Amateur-Dastellern, wie schon vor Jahren beim Aufkommen der ersten Privatsender die Nackedei-Sendung Tutti-Frutti signalisiert hat: Amateure beim Ausziehen beobachten. Es gibt also offenbar einen Hunger nach echtem Leben der anderen, nach dem bekannten Motto: Fleisch ist ein Stück Lebenskraft.
Welcher Bereich bleibt noch, wenn schon die Unterschicht etlichen Privatleuten im Fernsehen beim Leben zugucken kann?
Es bleibt nur noch die heimliche Beobachtung von Leuten in ihren eigenen Wohnungen und bei all ihren sonstigen Tätigkeiten draussen. Das Besondere ist, dass die Betroffene nicht wissen und nicht merken, dass sie gefilmt und abghört werden, und selbst wenn sie es erfahren würden, können sie es nicht verhindern.
Das Fernsehen und Radio der sog. Eliten besteht also aus heimlichen Film- und Tonaufnahmen des Privat- und Intim-Lebens der gewöhnlichen Bevölkerung: Menschliches Leben, das nicht weiss dass es gefilmt und abgehört wird.
Wir Unterschichtler gucken uns im Fernsehen Tierfilme an; die Oberschicht guckt sich uns in unseren Wohnungen an, schaut und hört uns beim Sex zu, beim Diskutieren über Gott und die Welt, beim Verstecken von Geld und Geheimnissen. All die raffinierte moderne Durchleuchtungs-, Spionage und Überwachungstechnik soll sich amortisieren und man findet die viel zu schade, um sie nur gegen Kriminelle und Verdächtige einzusetzen.
Augenscheinlich gibt es überall ein grundsätzliches Interesse an authentischen Einblicken in das Leben anderer Menschen. Die Unterschichten bekommen das in gefilterter und aufbereiteter Form als Realität aus zweiter Hand serviert: Big Brother, Super-Nanny, Die strengsten Eltern der Welt, und wie die Reality-Soaps alle heissen. Gemeinsam ist ihnen, dass es das Leben von Amateuren zeigt, die aber wissen, dass sie gefilmt werden. Also man guckt lieber Amateuren als Profis beim Leben zu.
Angeblich gibt es auch einen immer grösseren Markt für Pornos mit Amateur-Dastellern, wie schon vor Jahren beim Aufkommen der ersten Privatsender die Nackedei-Sendung Tutti-Frutti signalisiert hat: Amateure beim Ausziehen beobachten. Es gibt also offenbar einen Hunger nach echtem Leben der anderen, nach dem bekannten Motto: Fleisch ist ein Stück Lebenskraft.
Welcher Bereich bleibt noch, wenn schon die Unterschicht etlichen Privatleuten im Fernsehen beim Leben zugucken kann?
Es bleibt nur noch die heimliche Beobachtung von Leuten in ihren eigenen Wohnungen und bei all ihren sonstigen Tätigkeiten draussen. Das Besondere ist, dass die Betroffene nicht wissen und nicht merken, dass sie gefilmt und abghört werden, und selbst wenn sie es erfahren würden, können sie es nicht verhindern.
Das Fernsehen und Radio der sog. Eliten besteht also aus heimlichen Film- und Tonaufnahmen des Privat- und Intim-Lebens der gewöhnlichen Bevölkerung: Menschliches Leben, das nicht weiss dass es gefilmt und abgehört wird.
Wir Unterschichtler gucken uns im Fernsehen Tierfilme an; die Oberschicht guckt sich uns in unseren Wohnungen an, schaut und hört uns beim Sex zu, beim Diskutieren über Gott und die Welt, beim Verstecken von Geld und Geheimnissen. All die raffinierte moderne Durchleuchtungs-, Spionage und Überwachungstechnik soll sich amortisieren und man findet die viel zu schade, um sie nur gegen Kriminelle und Verdächtige einzusetzen.
Freitag, 24. Februar 2012
"Döner-Morde": Romanfiguren und reale Verschwörungen
Erinnert sich noch jemand an den Fall Andrej Holm? Ein Wissenschaftler welcher von den "Sicherheitsbehörden" der Zughörigkeit zum Terror verdächtigt wurde, weil einige markante Wörter oder Sätze in seinen wissenschaftlichen Texten auch auf Bekennerschreiben von politisch wohl eher links motivierten Gesetzesbrechern gefunden wurden. Die "Sicherheitsorgane" vermuteten da nicht nur eine geistige, sondern womöglich auch eine tätige Nähe.
Vor einigen Wochen las ich aus technisch-wissenschaftlichem Interesse den Roman "Exponentialdrift" von Andreas Eschbach. Es handelt sich ursprünglich um einen Fortsetzungsroman, dessen einzelne Kapitel in 2001 / 2002 fast ein Jahr lang in der FAZ erschienen. In 2003 hat der Autor die einzelnen Folgen zu einem Buch zusammengefasst und ein "Making-Of" hinzugefügt. Als ich darin las, schreckte ich an einer Textstelle zusammen. Eschbach äussert sich grundsätzlich über Schriftsteller und ihre Romanfiguren:
Es ist das Ziel des Schreibens, Figuren zu erschaffen, die ‚stimmen‘, die zu leben scheinen.
Angenommen, man erzählt, ohne sich etwas dabei zu denken, beim ersten Auftauchen der Figur im Roman, sie liebe Blumen. Einfach, weil man irgend etwas schreiben muss.
Doch zweihundert Seiten weiter steht, sagen wir, eine Verfolgungsjagd an, unsere Figur verfolgt einen Bösewicht in einen Blumenladen. Vielleicht wird unsere Figur zögern, den Bösewicht über den Haufen zu schiessen, weil der auf die Kübel mit all den herrlichen Rosen und Azaleen fallen könnte. Vielleicht wird unsere Figur abgelenkt, weil sie plötzlich eine Orchidee entdeckt, die sie schon seit Jahren sucht, und der Schurke nutzt den Moment der Unaufmerksamkeit und flieht.
Was also wird man tun? Entweder gestaltet man die Verfolgung so um, dass die Zuneigung der Figur zu Blumen zum Ausdruck kommt, oder man geht zurück und ändert die Voraussetzungen. Wenn die Figur statt Blumen türkischen Honig liebt, kann sie in einem Blumengeschäft kalten Herzens umherballern, so viel sie will. Oder wir machen aus dem Blumengeschäft einen Zeitungskiosk. Je nachdem, was besser passt.
Aber passen muss es. Und das ist es, was ein Autor meint, wenn er Ihnen erzählt, er könne nichts machen gegen das, was seine Figuren anstellen.
Schlagartig fiel mir dazu die Neonazi-Mordserie ein. Die erste Tat wurde einige Monate zuvor begangen - an einem Blumenhändler. Wenn Eschbach sich irgendwie auf Fakten aus Medienberichten darüber bezogen hätte, wäre das in seinem obigen Zusammenhang allein schon dubios, aber es ist noch eigenartiger: es wurde tatsächlich auch ein Kioskbesitzer ermordet, allerdings nach Erscheinen des Romans.
Ebenfalls im "Making Of" zum o.g. Roman teilt Eschbach seinen Lesern mit:
Aus purem Jux und Dollerei beschloss ich, den [fiktiven.d.B.] Schriftsteller Peter Eisenhardt in den Kreis der Verschwörer aufzunehmen, meinen Lesern schon aus „Das Jesus Video“ bekannt und seither im Verdacht lebend, mein Alter ego zu sein (er ist es nicht, nebenbei bemerkt).
Und weiter:
Die ersten Fassungen der einzelnen Folgen waren nicht selten doppelt so lang wie das erlaubte Limit, was mich in der Überarbeitung zwang, eine erfrischende Grausamkeit dem Text gegenüber zu entwickeln.
Wir haben also einen Romanautor, der Bücher über HighTech und ferngesteuerte Menschen verfasst und dabei auch Schriftsteller als Mitglieder von Verschwörungen darstellt, Grausamkeit erfrischend findet und der, als Beispiele für Romanfiguren und ihre Handlungen, aus einer realen Neonazi-Mordserie Fakten einflicht, die in der Wirklichkeit teils vorher passiert sind, teils erst danach passiert sein werden.
Vor einigen Wochen las ich aus technisch-wissenschaftlichem Interesse den Roman "Exponentialdrift" von Andreas Eschbach. Es handelt sich ursprünglich um einen Fortsetzungsroman, dessen einzelne Kapitel in 2001 / 2002 fast ein Jahr lang in der FAZ erschienen. In 2003 hat der Autor die einzelnen Folgen zu einem Buch zusammengefasst und ein "Making-Of" hinzugefügt. Als ich darin las, schreckte ich an einer Textstelle zusammen. Eschbach äussert sich grundsätzlich über Schriftsteller und ihre Romanfiguren:
Es ist das Ziel des Schreibens, Figuren zu erschaffen, die ‚stimmen‘, die zu leben scheinen.
Angenommen, man erzählt, ohne sich etwas dabei zu denken, beim ersten Auftauchen der Figur im Roman, sie liebe Blumen. Einfach, weil man irgend etwas schreiben muss.
Doch zweihundert Seiten weiter steht, sagen wir, eine Verfolgungsjagd an, unsere Figur verfolgt einen Bösewicht in einen Blumenladen. Vielleicht wird unsere Figur zögern, den Bösewicht über den Haufen zu schiessen, weil der auf die Kübel mit all den herrlichen Rosen und Azaleen fallen könnte. Vielleicht wird unsere Figur abgelenkt, weil sie plötzlich eine Orchidee entdeckt, die sie schon seit Jahren sucht, und der Schurke nutzt den Moment der Unaufmerksamkeit und flieht.
Was also wird man tun? Entweder gestaltet man die Verfolgung so um, dass die Zuneigung der Figur zu Blumen zum Ausdruck kommt, oder man geht zurück und ändert die Voraussetzungen. Wenn die Figur statt Blumen türkischen Honig liebt, kann sie in einem Blumengeschäft kalten Herzens umherballern, so viel sie will. Oder wir machen aus dem Blumengeschäft einen Zeitungskiosk. Je nachdem, was besser passt.
Aber passen muss es. Und das ist es, was ein Autor meint, wenn er Ihnen erzählt, er könne nichts machen gegen das, was seine Figuren anstellen.
Schlagartig fiel mir dazu die Neonazi-Mordserie ein. Die erste Tat wurde einige Monate zuvor begangen - an einem Blumenhändler. Wenn Eschbach sich irgendwie auf Fakten aus Medienberichten darüber bezogen hätte, wäre das in seinem obigen Zusammenhang allein schon dubios, aber es ist noch eigenartiger: es wurde tatsächlich auch ein Kioskbesitzer ermordet, allerdings nach Erscheinen des Romans.
Ebenfalls im "Making Of" zum o.g. Roman teilt Eschbach seinen Lesern mit:
Aus purem Jux und Dollerei beschloss ich, den [fiktiven.d.B.] Schriftsteller Peter Eisenhardt in den Kreis der Verschwörer aufzunehmen, meinen Lesern schon aus „Das Jesus Video“ bekannt und seither im Verdacht lebend, mein Alter ego zu sein (er ist es nicht, nebenbei bemerkt).
Und weiter:
Die ersten Fassungen der einzelnen Folgen waren nicht selten doppelt so lang wie das erlaubte Limit, was mich in der Überarbeitung zwang, eine erfrischende Grausamkeit dem Text gegenüber zu entwickeln.
Wir haben also einen Romanautor, der Bücher über HighTech und ferngesteuerte Menschen verfasst und dabei auch Schriftsteller als Mitglieder von Verschwörungen darstellt, Grausamkeit erfrischend findet und der, als Beispiele für Romanfiguren und ihre Handlungen, aus einer realen Neonazi-Mordserie Fakten einflicht, die in der Wirklichkeit teils vorher passiert sind, teils erst danach passiert sein werden.
Donnerstag, 23. Februar 2012
Mittwoch, 22. Februar 2012
Journalisten, political correctness und Nomaden
Was sind Journalisten, die pauschal die Verwendung des Begriffs „Zigeuner“ ablehnen, aber Mietpreller und Wohnungsverwüster als „Mietnomaden“ bezeichnen?
Der Wortteil „Miet“ in Mietnomaden ist nicht negativ besetzt, also muss es der Wortteil „Nomaden“ sein. Nomaden sind aber ganz natürlich und urprünglich durch die südländische Natur ziehende Naturvölker, die mit und von der Natur leben, ohne sie auszubeuten, zu verwüsten oder zu verdrecken. Während das Wort Mietnomade für Mietpreller und Wohnungsverwüster also sachlich falsch und beleidigend für nomadisch lebende, also umherziehende Naturvölker ist, ist der Begriff Zigeuner per se weder sachlich falsch noch beleidigend, sondern eine Sache der Befindlichkeit und des jeweiligen Kontextes seiner Verwendung, und wird den Gemeinten nicht einseitig von aussen auferlegt, sondern von vielen der damit positiv Gemeinten selbst verwendet. Wenn Journalisten also die Verwendung des Begriffs Zigeuner ablehnen und politisch über-korrekt (pük) und sachlich nicht ganz richtig von Sinti und Roma sprechen (denn der Begriff Zigeuner umfasst mehr als Sinti und Roma), hingegen Mietbetrüger und Wohnungsverwüster als Mietnomaden bezeichnen, so zeigen diese Journalisten wie scheinheilig sie tatsächlich sind.
Der Wortteil „Miet“ in Mietnomaden ist nicht negativ besetzt, also muss es der Wortteil „Nomaden“ sein. Nomaden sind aber ganz natürlich und urprünglich durch die südländische Natur ziehende Naturvölker, die mit und von der Natur leben, ohne sie auszubeuten, zu verwüsten oder zu verdrecken. Während das Wort Mietnomade für Mietpreller und Wohnungsverwüster also sachlich falsch und beleidigend für nomadisch lebende, also umherziehende Naturvölker ist, ist der Begriff Zigeuner per se weder sachlich falsch noch beleidigend, sondern eine Sache der Befindlichkeit und des jeweiligen Kontextes seiner Verwendung, und wird den Gemeinten nicht einseitig von aussen auferlegt, sondern von vielen der damit positiv Gemeinten selbst verwendet. Wenn Journalisten also die Verwendung des Begriffs Zigeuner ablehnen und politisch über-korrekt (pük) und sachlich nicht ganz richtig von Sinti und Roma sprechen (denn der Begriff Zigeuner umfasst mehr als Sinti und Roma), hingegen Mietbetrüger und Wohnungsverwüster als Mietnomaden bezeichnen, so zeigen diese Journalisten wie scheinheilig sie tatsächlich sind.
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